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Der Auslöser hierfür war ein defektes Update. Ich musste hier einige Dinge per Hand korrigieren, wozu ich allerdings vor Weihnachten keine Zeit mehr hatte.

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Grund hierfür ist ein Hacker-Angriff welcher schon eine Zeit zurück liegt. Hier wurde eine Sicherheitslücke in der vBulletin Software ausgenutzt.
Betroffen davon waren so ziemlich alle existierenden vBulletin Foren weltweit.
Dank einiger Nutzer wurde mir mitgeteilt dass auch von uns hier EMail-Adressen und die verschlüsselten Passwörter gestohlen wurden.
Um hier also auf Nummer sicher zu gehen, bitte ich darum eure Passwörter zu ändern.
Laut vBulletin sollen die Sicherheitslücken nun geschlossen sein.

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Der fromme Dicke....

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    Der fromme Dicke....

    ...so wurde Erzherzog Franz Ferdinand wohl hinter vorgehaltener Hand genannt…zumindest in dem Film „Der brave Soldat Schwejk“ mit dem Schauspieler Rudolf Hrusínský, indem seine Wirtin Frau Müllerova (Eva Svobodová) mit diesen Worten auf das Attentat vom 28.Juni 1914 in Sarajewo hinwies (Bild 1a).

    Bei der Tatwaffe handelte es sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit um das Pistolen Model FN 1910 im Kaliber 9mm kurz. Während der Erzherzog von zwei Kugeln getroffen wurde, wurde seine Frau unbeabsichtigt vom Attentäter getroffen. Beide erlagen ihren Verletzungen (Bild 1b).

    Über den Verbleib der Tatwaffe gibt es widersprüchliche Aussagen. Eine weist darauf hin, dass Wiener Jesuiten die Tatwaffe vom österreichischen Königshaus übergeben bekommen haben, andere Versionen sagen aus, dass sie noch im Besitz der Nachfahren ist.

    Sicherlich kein Grund die Waffe genauer unter die Lupe zu nehmen. Aber der außergewöhnlicher Erfolg dieser Waffe und ihre Beliebtheit zu seiner Zeit haben mich neugierig gemacht.

    Die etwas verwirrende Bezeichnung des Pistolenmodels 1910/12 rühmt daher, dass die Waffe 1910 entwickelt, aber erst 1912 in den Handel gebracht wurde. Die alternative Bezeichnung „FN Model 1910“ ist somit das identische Model.

    Bei dem Model 1910/22 handelt es sich hingegen um das 1922 weiterentwickelte Model der FN 1910. Sie trägt fortwährend diese Modelbezeichnung (Bild 2).

    In der Reihe meiner persönlichen Schusstests begleiteten mich diesmal die Pistolen:
    - Browning FN Model 1910 Kaliber 7,65 Browning
    - Browning FN Model 1910/22 Kaliber 7,65 Browning

    Bei dem FN Model handelt es sich um eine Weiterentwicklung der Browning Pistole 1900 und später dem Model 1903. Modifiziert war beim Model 1910, dass die Verschlussfeder um den Lauf gewunden war. Das wirkte sich natürlich auf die Baugröße des Pistolenmodels aus und war eigentlich immer noch ein wenig revolutionär für seine Zeit. Ab 1912 wurde das Model 1910 im Kaliber 7,65mm und 9mm kurz hergestellt.

    Technische Daten Model 1910 und 1910/22:
    Kaliber : 7,65mm
    Lauflänge : 88mm / 113mm
    Magazinkapazität : 7 Patronen / 9 Patronen
    Gewicht : 590gr. / 700gr.
    Gesamtlänge: 152mm / 178mm
    Verschlussbreite : 19mm
    Gesamthöhe : 100mm / 120mm
    Ladeprinzip : Rückstoßlader mit Masseverschluss und unverriegeltem Lauf (Bild 3 a-c).

    Das Model 1910 erfreute sich außerordentlicher Beliebtheit und war der Renner seiner Zeit. War es doch eine Pistole ohne Schnörkel, handlich und funktionssicher. Sie besitzt ein innenliegendes Schlagstück, was dem verdeckte Tragen neben seiner recht schlanken Bauart, der Waffe entgegen kam.

    Ab 1912 wurde die Pistole im Kaliber 7,65mm und 9mm kurz auf dem Markt angeboten und weit bis ins 20. Jahrhundert hergestellt. Diese Pistole war ein großer Erfolg der belgischen Waffenschmiede.

    Als Weiterentwicklung wurde 1922 das Model FN 1910/22 auf den Markt gebracht. Hier war lediglich die Lauflänge und die Magazinkapazität verändert worden. Dennoch verlor die Pistole nicht an seiner Beliebtheit. Zuverlässigkeit und schlanke Bauweise waren geblieben.

    Gerade dieser Waffe, im Kaliber 9mm kurz, bedienten sich viele Armeen und Polizeieinheiten. Im zweiten Weltkrieg wurde das Model 1910/22 auch von der Wehrmacht geführt. Widererwartend „topte“ das Model 1910/22 das Model 1910 in seiner Beliebtheit. Es wurde ein noch größerer Erfolg. Die hergestellten Stückzahlen nahmen astronomische Höhen an. Erst wenig später wurde sie im Kaliber 7,65 Browning hergestellt. In diesem Kaliber fand sie speziell als Offizierspistole den Weg in die Welt der Ordonanzwaffen.

    Der Erfolgsweg als Ordonanzwaffe der Modelle 1910 und 1910/22 endete erst, als Armee und Polizei auf leistungsstärkere Pistolenkaliber zurückgriffen.

    Die nun im Vergleichstest stehenden Modelle sollen, fast ein Jahrhundert nach ihrer Entwicklung, nochmals ihre Brauchbarkeit und Zuverlässigkeit unter Beweis stellen.
    Wie weit konnten diese beiden Pistolen technisch und in ihrer Handhabungssicherheit von den heutigen, vergleichbaren Modellen, abgehängt werden….oder wurde das Rad im Laufe eines Jahrhunderts nur neu erfunden….

    Beide Pistolen sind ohne einen Verschlussfanghebel und Verschlussfang ausgestattet. Mit einer manuell bedienbaren Sicherung in Form eines Hakens an der linken hinteren Rahmenseite, kann der Verschlussrücklauf geblockt und, z.B. bei fertiggeladener Waffe, dass Schlagstück gesichert werden. Eine weitere Option des Hakens ist das Feststellen des Verschlusses auf Mittelstellung, welche für das Zerlegen notwendig ist (Bild 4a).

    Das Zerlegen des Models 1910 ist nichts für „Sonntagsschüler“. Die den Lauf umgebende Laufbuchse muss entgegen der Schussrichtung um rund 3mm eingedrückt und dann um ca. 90 Grad gedreht werden. Hierzu muss vorher der Verschluss mit dem Haken geblockt werden. Hat man die Laufbuchse um 90 Grad gedreht, so kommt diese mit „Karacho“, durch die Verschlussfeder (und die hat´s in sich) angetrieben, aus dem Verschluss gedonnert. Mund- und Augenschutz sollte der ungeübte schon tragen, um ohne große Blessuren diese Prozedur zu überstehen…. (Bild 5).

    Nun muss der Verschluss auf der Mittelstellung festgesetzt und der Lauf um eine ¼ Umdrehung gedreht werden. Dadurch wird er aus seiner Verankerung im Griffstück gedreht, denn trotz des Masseverschlusses lässt sich dieser Lauf entgegen vieler anderer Modelle ohne zusätzlich benötigtes Werkzeug vom Griffstück trennen (Bild 4b).

    Jetzt kann man den Verschluss wieder lösen und vom Griffstück schieben. Als nächstes fällt einem dann die Schlagbolzenfeder entgegen. Also möglichst die Waffe über dem offenen Verbandkasten zerlegen….

    Das Model 1910/22 zeigt sich da doch etwas moderater. Die Verschlusslänge und Form bei beiden Waffen ist quasi die gleiche geblieben. Man hat nur die Laufbuchse verlängert, um den längeren Lauf zu ummanteln. An dieser Laufbuchse befindet sich auf der linken Seite ein Arretierschieber, dieser wird gelöst und gibt die Laufbuchse zur Drehung frei (Bild 6c).

    Aber auch hier ist Vorsicht geboten, allerdings löst sich die Laufbuchse etwas langsamer vom Lauf. Das weitere Vorgehen ist identisch mit dem Model 1910.

    Beide Waffe verfügen über eine Magazinsicherung. Diese verhindert bei entnommenen Magazin die Schussauslösung, so wie ein spannen des Schlagstückes beim zurückziehen des Verschlusses. Das bedeutet, ist die Waffe fertiggeladen und das Magazin entnommen, kann kein Schuss abgegeben werden. Führt man das Magazin in diesem Zustand wieder ein, ist eine Schussauslösung sofort möglich, sofern die Pistole nicht noch zusätzlich gesichert ist.

    Ist die Waffe unterladen und man entnimmt das Magazin, so spannt sich beim zurückziehen des Verschlusses das Schlagstück nicht.

    Weiterhin verfügen beide Waffen über die klassische Colt Griffsicherung, die ebenfalls die Schussauslösung verhindert, wenn diese nicht mit der Waffenführenden Hand fest eingedrückt wird (Bild 6a).

    Während das Model 1910 über eine sehr feine Visierung, die aus einem aus dem Verschluss ausgelassenem Korn und einer in den Verschluss gefrästen Kimme besteht, verfügt, so weist das Model 1910/22 eine annähernd vollwertige Visierung auf (Bild 6b).

    Die äußerst schlanke Bauform ist bei beiden Pistolen auffällig und begünstig ebenfalls das verdeckte tragen. Das Model 1910/22 fässt sich, aufgrund des verlängerten Griffstückes, allerdings wesentlich komfortabeler als sein Pate.

    Auffällig ist die aus meiner Sicht recht „klapprige“ Bauweise. Der Verschluss lässt sich, ob gespannt oder entspannt, so ziemlich in alle Richtungen hin und her bewegen. Ob das Zielballistische Auswirkungen hat, wird sich wohl zeigen.

    Für den bevorstehenden Schusstest verwendete ich folgende Munition:
    Handelsübliche 7,65mm Munition von Sellier & Bellot.

    Das Schussprogramm für beide Waffen so wie folgt aus:

    Je Waffe 5 Schuss durchs Messgerät
    Entfernung 2mtr.
    V2 Mod. 1910: 279 m/s E2: 234 Joule
    V2 Mod. 1910/22: 294 m/s E2: 260 Joule

    Je Waffe 5 Schuss zur Feststellung des Haltepunktes
    Entfernung 15mtr.
    FN 1910 Fleck, links / FN 1910/22 Fleck, rechts

    Je Waffe 10 Schuss nach Haltepunkt
    Entfernung 15mtr.
    1910 rot / 1910/22 gelb markiert

    Auswertung Mod. 1910:
    + Rückstoss ausgewogen
    + Abzug etwas schwammig mit langem Auslöseweg, dennoch gut zu handhaben
    - zu feine Visierung, schwierige Zielauffassung
    - Mäßige Handlage durch kurzes Griffstück
    + Verschluss beim Fertigladen gut bedienbar
    + Keine Probleme mit der verwendeten Munition

    Auswertung Mod. 1910/22:
    + Rückstoss sehr ausgewogen, schnelle, erneute Zielaufnahme möglich
    + Abzug etwas schwammig mit langem Auslöseweg, dennoch gut zu handhaben
    + Gute Visierung, leichte Zielauffassung
    + Gute Handlage
    + Verschluss beim Fertigladen gut bedienbar
    + Keine Probleme mit der verwendeten Munition

    Gesamtpunkte von 6 möglichen:
    1910 = 4 Punkte
    1910/22 = 6 Punkte

    Persönliches Fazit:
    Natürlich haben die Waffenhersteller in den letzten 100 Jahren im Bereich der Pistolen im Kaliber 7,65mm und 9mm kurz dazugelernt. Somit ist das Rad nicht neu erfunden worden.

    Dennoch zeigt ein Blick zurück, dass der Aspekt der Bediensicherheit Anfang des 20. Jahrhunderts einen hohen Anteil bei der Konstruktionsaufwand aufwies und sich somit in den Vordergrund stellte. Das Zerlegen dieser beiden Waffen allerdings befand sich eher noch auf einer Anfangstufe. Mir steckt das „Fieldstripping“ des Models 1910 immer noch in den Knochen.

    Bezüglich der Bedienbarkeit und der Präzision lässt sich jederzeit ein Vergleich anstellen und da stehen auch keine 100 Jahre zur Debatte (Bild 7).

    Klarer Favorit in diesem Test war das Model 1910/22. Lauf- und Grifflänge, sowie der modifizierte Zerlegevorgang waren hier ausschlaggebend. Wohl in der heutigen Zeit Designoptisch etwas „aufgepeppt“ würde sie sich ihre hundert Jahre zurückliegende Innovation nicht anmerken lassen.

    Zwei recht gute Pistolen, die dem Schützen das Flair von 100 zurückliegenden Jahren ein wenig nahe bringen.
    Angehängte Dateien
    Zuletzt geändert von John Wayne; 17.04.2013, 14:45.
    Gruß
    J.W.
    Irgendwann wirst Du feststellen, dass es etwas nicht mehr gibt obwohl es doch immer da war...
    und das nur, weil DU nicht dafür gekämpft hast.
    J.W.

    #2
    Danke John! Wie immer sehr interessant dargestellt...

    Kommentar


      #3
      Endlich mal wieder nach längerer Zeit ein Bericht von dir, wie immer super gemacht!
      Hast du eine Sammler WBK für Kurzwaffen aller Art oder wie kommt man an so eine Sammlung?
      .22LfB; .22 WMR; 9x19; 40S&W; .357 Magnum; 5,56x45; 7,5x55; 7,62x51; 7,62x54R; 30-06; 308 Norma Mag; 8x57IS; 8x68S; 16/70; 12/76

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        #4
        Eine 10/22 hatte ich vor Jahren mal "aus Versehen" für unter 30 Euro ersteigert. Ich erinnere mich gerne daran.
        In Eleganz und Zuverlässigkeit stehen diese FN's der PP und PPK in Nichts nach.
        Und die Leistung und Präzision der 7,65mm Browning-Patrone wird noch immer gerne unterschätzt.
        Als Taschen-Verteidigungswaffe im Nahbereich ("Offizierspistole") wären sie auch heute noch nicht zu verachten.

        Mein üblicher Dank für einen informativen, unterhaltsamen Beitrag darf nicht fehlen: toll geschrieben, super Fotos, ...aber was sag ich !?!
        Sie sind unbewaffnet! Das ist gegen die Vorschrift! !(Aeryn Sun zu John Crichton in Farscape)

        Nichts ist gut in Afghanistan! (Margot Käßmann, Heiligabend 2009 )

        I like the shiny steel and the polished wood ! (Steve Lee: I Like Guns)

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          #5
          Vielen Dank! Ich lese Deine Artikel / Beiträge dieser Art immer wieder gerne!

          Die sollte es als PDF oder besser: in gedruckter Form geben.

          Kommentar


            #6
            Hi wozzi,Sandmann,Gunner & DKP3011

            Zitat von wozzi Beitrag anzeigen
            Danke John! Wie immer sehr interessant dargestellt...
            @wozzi
            Vielen Dank

            Zitat von Sandmann Beitrag anzeigen
            Endlich mal wieder nach längerer Zeit ein Bericht von dir, wie immer super gemacht!
            @Sandmann
            Vielen Dank
            ...ich hatte irgendwie keinen Initialfunken, bis den Film mit Schwejk gesehen habe...

            Zitat von Gunner Beitrag anzeigen
            Eine 10/22 hatte ich vor Jahren mal "aus Versehen" für unter 30 Euro ersteigert. Ich erinnere mich gerne daran.
            Mein üblicher Dank für einen informativen, unterhaltsamen Beitrag darf nicht fehlen: toll geschrieben, super Fotos, ...aber was sag ich !?!
            @Gunner
            Vielen Dank
            Ja, die Waffe hat was. Wie schon geschrieben, heute würde man sie Computerunterstüzt "durchdesignen" und dem 21. Jahrhundert anpassen.
            Bezüglich des "Historischen" Hintergrundes, kann man das, selbst bei einer rein technischen Auswertung einer alten Waffe, nicht unerwähnt lassen. Oftmals finde ich die Geschichte und den Weg einer Waffe noch viel viel interessanter und spannender als ihre Technik.

            Zitat von dkp3011 Beitrag anzeigen
            Vielen Dank! Die sollte es als PDF oder besser: in gedruckter Form geben.
            @DKP3011
            Vielen Dank
            ...darüber hab ich auch schon mal nachgedacht...wer weis was mal kommt
            Gruß
            J.W.
            Irgendwann wirst Du feststellen, dass es etwas nicht mehr gibt obwohl es doch immer da war...
            und das nur, weil DU nicht dafür gekämpft hast.
            J.W.

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              #7
              J.W. schafft es einmal mehr, auf die noch so kleinsten Details bei einer Waffe einzugehen, ohne allerdings unnötigen Ballast zu vermitteln. Solche Texte begeistern und sie regen zum Nachdenken an.

              Klapprig soll sie sein? Nun, ich habe schon einige Texte über diesen Klassiker gelesen, aber ich kann mich nicht erinnern, dass ich dabei über eine ähnliche Aussage gestolpert bin. Die Überprüfung fiel mir leicht, denn ich selbst besitze ein Modell 1910 aus den Sechziger Jahren, das mich immer mal wieder an den Schiessstand begleitet sowie ein weiteres aus der zweiten Hälfte der 20er-Jahre und ein noch ungeschossenes Exemplar aus dem Jahr 1970. Und tatsächlich, besonders auf Höhe des Abzugbügels lässt sich der Schlitten doch deutlich nach rechts und links bewegen, sodass man Abstriche bei der Präzision geradzu befürchten muss. Komischerweise ist mir das noch nie aufgefallen; meistens teste ich nur amerikanische Erzeugnisse auf ein mögliches Klappern...

              Während die Modelle 1900 und 1903 mit einer Verschlussfeder über bzw. unter dem Lauf angeordnet waren, erlaubte die Anordnung der Feder um den Lauf eine sehr kompakte Bauweise. Zusammen mit dem Umstand, dass das Modell 1910 eine äusserst minimalistische Visierung aufweist, ergibt das eine Taschenpistole, welche damals wirklich noch in der Rocktasche getragen werden konnte, ohne ein schnelles Ziehen grundsätzlich zu verunmöglichen. Ich hatte die Waffe einmal interessehalber auf 50 Meter geschossen und dabei eine Trefferrate auf die Scheibe von ca. zwei Dritteln erzielt. Für diese Distanz und auch grosse Schussfolgen wurde sie sicher nicht konzipiert. Mir persönlich schmerzt die Hand nach spätestens 50 Schuss, was ich vor allem der etwas scharfkantigen Handballensicherung zuschreibe.

              Während das FN-Modell 1906 wie ein verkleinertes Modell 1910 im Kaliber 6.35mm aussieht und in Amerika 1:1 als Colt Model 1908 Vest Pocket auf den Markt kam, gab es für das Modell 1910 kein entsprechendes US-Pendant. Die Hammerless-Pistolen von Colt 1903 (7.65mm) und 1908 (9mm kurz) ähneln optisch noch dem grösseren FN-Modell 1903 und wurden wie dieses bis zum zweiten Weltkrieg produziert. Im James-Bond-Film "Dr. No" kam die FN-Pistole 1910 in einer Szene auch plötzlich vor. Wohl in Ermangelung eines Schalldämpfers für seine eigentliche Dienstwaffe wurde die PPK kurzerhand gegen eine FN ausgetauscht. Kann man mit dieser Waffe noch cooler schiessen? Nein!

              Als grosser Fan des kleinen Kalibers danke ich einmal mehr J.W. für den lebhaft formulierten, tollen Bericht über die Waffe, welche durch die Schüsse auf den österreichisch-ungarischen Thronfolger ungewollt zum Auslöser des ersten Weltkriegs geworden ist.
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