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UNGESCHÖNT 30M1 part nine „the mysterious U“

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    UNGESCHÖNT 30M1 part nine „the mysterious U“

    Im Jahr 1945 liefen die letzten 30M1 Carbine Herstellungsverträge aus und wurden auch nicht mehr verlängert.

    Somit endete die Produktion von 30M1 Carbine Waffen für die im Einsatz befindlichen Truppen ab ca. August 1945. Die vertraglich vorzuhaltenden Ersatzteilbestände verblieben vorerst bei den Produzenten und Subproduzenten.

    Eine weitere Produktion von Ersatzteilen für den after market (Verbauchermarkt) wurde durch die ausbleibenden Vertragsverlängerungen jedoch nicht eingeschränkt.

    Das War-Department plante Mitte 1945, dass die sich im Einsatz befindlichen 30M1 nach und nach in die USA zurückgeliefert werden sollten, wo sie von Springfield Armory unter Aufsicht von Personal der Ordonanzbehörde überarbeitet werden sollten.

    In Europa wurde der Waffenhersteller FN ebenfalls mit dieser Aufgabe unter gleichen Bedingungen verpflichtet.

    Der Vertragsproduzent National Postal Meter produzierte 6,8% der gesamten 30M1 Carbine, die von Anfang 1942 bis August 1945 gebaut wurden.

    In der Reihe meiner persönlichen Schusstests begleitet mich diesmal meine neue:
    30M1 von National Postal Meter (NPM), Kaliber .30 Carbine, Baujahr Dec.43-May 44 aus einer Serie von 352100 Stück (Bild 1).

    Mit 6,8% Herstellungsquote lag NPM an fünfter Stelle der Produktionsmenge von 30M1. Platz 1 bis 4 belegten Inland Division G.M., Winchester, Underwood Elliot Fisher und Saginaw (beide Werke).

    NPM hat, vielleicht durch einen Zufall, dafür gesorgt, dass ein Vermächtnis an 30M1 Carbine kurz vor Auslauf ihres Hersteller-Vertrages produziert wurde…

    Kurz vor Ablauf ihres Vertrages wurde NPM in Commercial Controling Corporation umbenannt. Unter diesem Namen wurden noch 239 Stück 30M1 aus verfügbaren Ersatzteilen bis zum Ablauf der Vertragsverpflichtung produziert. Diese 239 M1 waren auf dem Verschlussrahmen mit CCC od. CC gekennzeichnet. So zumindest die Geschichte…

    Es ist niemanden bekannt wo diese 239 M1 geblieben sind. Ganze Ermittlungsstäbe wurden gebildet, um den Verbleib dieser 239 Carbine aufzuklären, bis heute ohne nennenswerten Erfolg. Lediglich die Warnung vor Fälschungen, die im Umlauf sein sollen, wurde ausgesprochen.

    Die Suche ist immer noch nicht aufgegeben…

    Das macht diese 239 30M1 Carbine zu den seltensten M1 Serienproduktionen überhaupt und ihre mystische Geschichte hält seine Sucher am Leben.

    Meine 30M1 von National Postal Meter ist wohl von weniger Mystik umgeben, dachte ich. Aber es kam anders als ich es erwartet habe.

    Inzwischen schon in eine Routine gefallen was das Zerlegen, Identifizieren und Dokumentieren meiner M1ser angeht, ahnte ich nicht, über welche Kleinigkeit ich noch stolpern sollte (Bild 2).

    Lauf und System dieser NPM waren optisch in einem recht mäßigen Zustand. Sie waren stark eingefettet, aber wohl vorher nicht gereinigt worden. Schmauchreste in allen Teilen wiesen auf einen häufigen Gebrauch hin.

    Auffällig war, dass der Verschlussrahmen nur eine Aussparung in seiner Rücklaufschiene hat. Lediglich die, die zum Aushaken des Spanhebels beim Zerlegen der Waffe benötigt wird. Bei allen anderen meiner M1 Modellen befindet sich noch eine weitere Aussparung hinter der Zerlegeaussparung (Bild 3, fig.1).

    Was den ursprünglichen Allgemeinzustand des gesamten Systems dieser NPM angeht, kann ich sagen, dass diese M1 die bisher ungepflegteste meines 30M1 Bestandes war.

    Bei dem vorhandenen verstellbaren Visier handelt es sich um ein Typ II (gestanzt) aus Nachkriegsproduktion, beim Laufband um eine WKII Produktion. Seine Codierung, MMQ, konnte ich aber bisher noch keinem Hersteller zuordnen (fig.2&3).

    Das Korn stammt mit seiner N Codierung aus NPM Herstellung (fig.4).

    Die Rückstoßplatte, die im Schaft verbaut ist, war augenscheinlich nicht gekennzeichnet. Da aber der Lauf beim Einbau nur unter starker Spannung eingesetzt werden konnte, baute ich vorerst das Teil aus dem Schaft aus, um zu sehen, woran das lag (fig.5).

    Bei seiner genaueren Betrachtung fand ich dann eine Codierung auf der Unterseite der Rückstoßplatte.

    Auf den ersten Blick konnte ich ein L J erkennen. Mit dem Blick durch die Lupe entdeckte ich ein Winchester W, welches von den Buschstaben L J überstempelt wurde. Aufregend aber noch nicht dramatisch.

    Ich weiß inzwischen, dass Winchester rund 500 Rückstoßplatten im Jahr 1942 an NPM geliefert hatte, da sie dort nicht hergestellt wurden. Somit nehme ich an, dass diese Überstempelung wohl vorsätzlich durchgeführt wurde. Zuordnen kann ich allerdings das L J noch nicht (fig.6).

    Die Abzugsgruppe besitzt bekanntlich die meisten Einzelteile und ist somit immer das Ü-Ei der Waffe (Bild 4).

    Der Abzugsrahmen ist mit N 9 codiert und somit von NPM (fig.1&2). Der Abzug ist mit PD B codiert, es handelt sich hier um eine späte I.B.M. Fertigung (fig.3&4).

    Das Schlagstück, mit WU gekennzeichnet, stammt von Underwood. Es handelt sich um ein Typ III, gerade Form.

    Die Abzugsklinke stammt aus Nachkriegsfertigung und ist mit einer kaum erkennbaren RIA (Rock Island Arsenal) Markierung versehen (fig.5).

    Auf dem Spannhebel finden sich einmal die Codierungen P I und eine 2 im Kreis. Ein Typ III, hergestellt von Inland Division G.M., die 2 im Kreis kann ich nicht deuten (fig.6&7).

    Magazinhalter und Sicherung sind aus Nachkriegsproduktionen, Commercial Controls und MC Culounge (fig.7-9).

    Kommen wir als letztes zum Verschluss (Bild 5).

    N 14, auf der linken Verriegelungsnocke, kennzeichnet NPM als Hersteller ((fig.1&2).

    Der Schlagbolzen ist mit einem N versehen und das bedeutet wohl auch auf NPM Fertigung, dessen ich mir aber nicht 100% sicher bin (fig.3).

    Der Auszieher ist mit einem mir unbekannten I Q gestempelt (fig.4&5).

    Im großen und ganzen sind fast alle Codierungen kaum entzifferbar. Somit steigt natürlich auch meine Fehlerquote beim Entschlüsseln der Codierungen.

    Und dann kam das U auf der Hinterseite des Verschlussrahmens unterhalb der Seriennummer, welches ich eigentlich bis zum Zusammenbau der M1 ignorierte. Ich nahm an, dass es sich um irgendeine interne Teilemarkierung handelte.

    Es könnte aber auch sein, dass dieses U die Codierung von Underwood Elliot Fisher ist, da diese als Generalcode das U verwenden.

    Komisch, sagte ich mir dann, aber wieso ist da ein Stempel von Underwood drauf? Da stimmt doch was nicht.

    Schnell stellte ich fest, dass sich das Underwood U von dem vorliegenden U unterscheidet. Das Underwood U wird mit Serifen gedruckt und es führt links und rechts jeweils einen Punkt (.U.).

    Ach was... jetzt machte ich mich auf die Suche zur Auflösung des U´s auf der Hinterseite meines Verschlussrahmens (Bild 6).

    Die Lösung war für mich sehr überraschend. Die Serie, aus der meine NPM stammt, umfasst 352100 30M1 aus der NPM Fertigung.

    Beginnend mit der Seriennummer 4080000, Endend mit der Seriennummer 4432099 im Zeitraum Dez.43 bis Mai 44.

    Es stellte sich heraus, dass das U auf dem Verschlussrahmen eine Codierung von Union Switch and Signal (US&S) darstellt.

    Ein sogenannter Subcontractor, der schon länger mit der Lieferung von Waffenteilen beauftragt war. Zum Beispiel auch für den Colt 1911.

    Der hauptsächliche Produktionsbereich von US&S umfasste Signalanlagen für die Eisenbahnstrecken in den USA.

    Bedeutet, dieser Verschlussrahmen wurde von UNION SWITCH AND SIGNAL hergestellt und an NPM geliefert.

    Nun, so etwas fand auch anderorts statt, also wird das kaum eine besondere oder erwähnenswerte Bedeutung haben.

    In diesem Fall lag ich aber falsch. US&S lieferte rund 62000 mit U codierte Verschlussrahmen an NPM.

    Beginnend mit der SNr.# 4325227 und endend mit der SNr.# 4387735 wurden diese nur in dieser Serie verbaut.

    Die Folge, 30M1 von NPM mit einem U auf dem Verschlussrahmen reihen sich somit in die selteneren US 30M1 Carbine ein, die gebaut wurden (Bild 7).

    Der Zeitraum, indem die US&S Verschlussrahmen verbaut wurden, wird um Mai 1943 angegeben.

    Eine frühe Seriennummer einer M1 aus dieser Serie zeigt noch kein U auf dem Verschlussrahmen (fig.1).

    Auf einer späteren Seriennummer ist inzwischen schon ein US&S Verschlussrahmen verbaut. Diese Waffe wurde auf einer Auktion in den USA verkauft (fig.2).

    Meine Seriennummer liegt ungefähr 1600 Waffen vor der abgebildeten verkauften 30M1 (fig.3).

    Den Rest könnt ihr aus der Originalbeschreibung der Auktion auf Bild 7 entnehmen.

    Beim Schusstest verhielt sich die NPM wie alle anderen M1 die ich besitze, auch sie verschoss ohne Ausnahme meine wiedergeladene Munition. Sie zeigte ein etwas anderes Visierbild und der Abzug löste ebenso trocken aus, wie ich es gewohnt war.

    Das Schussbild wiederum war aus der unteren linken Ecke nicht weg zu bekommen. Ich habe zwar Visier-Verstellungen vorgenommen, auch mal in die andere Richtung. Im großen und ganzen hat es aber nichts gebracht.

    Und so beließ ich es bei der Schussgruppe, die sich unten links gebildet hatte. Diese kann sich schon sehen lassen. Das Visier muss ich überprüfen. Vor Ort ist mir kein Fehler aufgefallen (Bild 8).

    Zu guter Letzt noch die die Laufhülsenbeschriftung der NPM zur weiteren Vervollständigung. Man kann gut erkennen, wie unterschiedlich die Beschriftungen ausgefallen sind, auch wenn sie auf den ersten Blick alle gleich erscheinen (Bild 9).

    Fazit:
    Natürlich gehört viel viel mehr dazu einen richtig wertvollen NPM 30M1 zu besitzen. Der Schaft und seine Markierungen z.B. und letztendlich ihr Aussehen zur Stunde null ihrer Produktion sind wichtige Indizien dafür, um ganz oben in der Preis-Liga mitzuspielen.

    Dennoch gibt es sie und so mancher Besitzer erkennt vielleicht aus Unkenntnis nicht, welchen Schatz er eigentlich besitzt.

    Und wie ich vor vielen Threads schon einmal schrieb: Jede 30M1 zieht immer und irgendwie noch ein Ass aus dem Ärmel und sorgt dafür ein Unikat aus seiner Serie zu werden… (Bild 10).
    Angehängte Dateien
    Zuletzt geändert von John Wayne; 28.07.2022, 18:49.
    Gruß
    J.W.
    Irgendwann wirst Du feststellen, dass es etwas nicht mehr gibt obwohl es doch immer da war...
    und das nur, weil DU nicht dafür gekämpft hast.
    J.W.

    #2
    Moin John,

    meinen größten Respekt für die ganze Detektivarbeit, die Du da mit deinen ganzen .30ern leistest. Das ist ja ned nur das Demontieren, Messen, Reinigen, Montieren. Da kommt ja noch die ganze Recherche im Internet oder Büchern oder bei anderen Sammlern dazu.

    A propos Bücher, da könntest Du mit Deinem Wissensstand mittlerweile auch eins schreiben. Da würden sogar die Amis große Augen kriegen.
    Zuletzt geändert von Gunner; 29.07.2022, 07:24. Grund: such mal ! :-)
    MfG aus der schönen Pfalz

    Eins ist sicher - die Rente ( Norbert Blüm, anno die 90er, )
    Wir schaffen das ( Angela Merkel 2015, Und wen meint sie mit "wir" ?

    "Bevor isch misch uffreg, is mers egal ....." oder auch "Äner vun uns zwä is bleeder wie isch....."

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      #3
      Ein Krimi "in Einzelteilen",
      danke für die immense Arbeit, die Du Dir wieder für den Beitrag gemacht hast.
      Es muss viel Zeit und Nerven kosten, derartig viele Detailinformationen im Netz (oder der Bibliothek) zusammenzutragen.

      Leider muss ich Dich auf einen elementaren Fehler in Deinem Beitrag hinweisen:
      Das Futteral in Bild 10 passt doch niemals zu dem Carbinchen, oder ?

      wünsche ein frohes Wochenende
      Gunny
      Sie sind unbewaffnet! Das ist gegen die Vorschrift! !(Aeryn Sun zu John Crichton in Farscape)

      Nichts ist gut in Afghanistan! (Margot Käßmann, Heiligabend 2009
      , aktueller denn je)

      I like the shiny steel and the polished wood ! (Steve Lee: I Like Guns)

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        #4
        Oh, dr Pälzer war schneller.....
        Sie sind unbewaffnet! Das ist gegen die Vorschrift! !(Aeryn Sun zu John Crichton in Farscape)

        Nichts ist gut in Afghanistan! (Margot Käßmann, Heiligabend 2009
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          #5
          Du kriegst Post
          MfG aus der schönen Pfalz

          Eins ist sicher - die Rente ( Norbert Blüm, anno die 90er, )
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            #6
            Zitat von Pfälzer Beitrag anzeigen
            …meinen größten Respekt für die ganze Detektivarbeit..... Bücher, da könntest Du mit Deinem Wissensstand mittlerweile auch eins schreiben ... sogar die Amis große Augen kriegen.


            @Pfälzer & Gunner,
            vielen vielen Dank für eure Anerkennung. Es ist in der Tat eine sehr aufwendige Arbeit das Ganze. Aber, und das sage ich im vollen ernst, es ist die Interessanteste Aufgabe, die ich mir jemals gestellt habe.

            Das aller aller Schlimmste an dieser Aufgabe ist, dass keine Recherche lange bestand hält. Man stolpert immer wieder über etwas neues, was das Vorherige auf den Kopf stellt.

            Denn nach der Geschichte mit dem U auf der NPM, habe ich erstmal alle meine vorhanden M1 „Nachuntersucht“ und Deuwel nochmal, auf dem Verschlussrahmen (Receiver) meiner Underwood ist ein S drauf…

            Das S steht für United Shoe Machinery Corporation (USM), einem Hersteller für verschiedene Industriemaschinen, der schon seit dem ersten Weltkrieg als Subunternehmer für Waffenteilfertigungen zur Verfügung stand.

            USM lieferte rund 29400 dieser Receiver an Underwood, die diese dann in der Serie beginnend von SN.# 2572528 bis SN#2601955 verbaut haben.

            Natürlich ist so 'n S oder 'n U ist schnell mal draufgekloppt auf den Receiver und man kann das dann nur mittels der Recherche nach den richtigen Seriennummern endgültig belegen. Der Glaube an das Gute im Menschen ist hier ansonsten völlig fehl am Platze…

            Wäre ich damals mit dem Sammeln von 30M1 Carbine angefangen, so hätte ich heute nur 10 Waffen in meiner Sammlung und hätte 40 Jahre lang und länger Recherchieren können…

            Ein Buch Schreiben habe ich auch schon in Erwägung gezogen. Aber bei der Gegenwärtigen Motivation in allen Bereichen würde ich wohl nur zwei Bücher verkaufen, eins verschenken und eines selbst behalten



            Zitat von Gunner Beitrag anzeigen
            Ein Krimi "in Einzelteilen",
            danke für die immense Arbeit, die Du Dir wieder für den Beitrag gemacht hast.... muss ich Dich auf einen elementaren Fehler in Deinem Beitrag hinweisen:
            Das Futteral in Bild 10 passt doch niemals zu dem Carbinchen, oder ?
            @Gunner,
            mein lieber Gunner, das Futteral passt natürlich nicht in die Zeit der 30M1. Hier ist dir deine Fachkompetenz, wie immer, nicht abzusprechen (ich erinnere an den Hinweis mit dem Pistonschlüssel).

            In diesem Fall aber heiligt der Zweck die Retro-Anschaffung. Denn in dieses Futteral passen vier (in Zahlen 4) 30M1. Weiterhin alles Zubehör und eine Matte, damit ich bequem im Liegen schießen kann. Denn zurzeit mache ich nämlich nichts anderes als 30M1 Carbine schießen… alle anderen Beschäftigungen sind m.E. in der gegenwärtigen Situation langweiliger quatsch…



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            Gruß
            J.W.
            Irgendwann wirst Du feststellen, dass es etwas nicht mehr gibt obwohl es doch immer da war...
            und das nur, weil DU nicht dafür gekämpft hast.
            J.W.

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