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Alt 17. July 2017, 15:40   #7
Olympia
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Der Annahme, dass es sich üm eine Waffe aus Vor-DDR-Zeiten handelt, kann ich nicht ganz folgen.

Die Waffe selbst stammt laut Stempel auf der Systemhülse aus dem VEB Thälmann-Werk-Suhl, in dem Anfang der 1950er Jahre mehrere Suhler Einzelbetriebe zusammengefasst wurden.

Auch die verwendeten Schrifttypen für die Modellbezeichnung "SUHL Mod.91" entsprechen denen des GST-KK-Repetierers VEB TW SUHL "KKV 1001" (siehe http://www.naturabuy.fr/Carabine-spo...m-3841773.html).

Die Systemhülse des gezeigtem Mod.91 sieht zumindest für meinen Blick 100% so wie das System der KKV aus (siehe http://www.cdsehrenreich.de/zubehoer/images/s012.jpg).

Die Beschusszeichen auf Lauf und System sind nach meiner Einschätzung klar dem Beschussamt Suhl in der Zeit zwischen 1950 und 1975 zuzuordnen (siehe https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/...013_Anhang.pdf).

Der Bakelit-Abzugsbügel sieht (neben vielen anderen Details) genauso aus wie beim KKV. Es bestehen zwar auch leichte Ähnlichkeiten mit dem Vorgänger des KKV, dem aud DDR-Produktion stammenden K 110 (siehe http://www.waffen-welt.de/showthread.php?t=8697), aber die Herkunft des Mod.91 scheint klar beim KKV zu liegen.

Vielleicht war dieser kleine Jagdrepetierer für den Export oder wohlhabende Funktionäre, besondere Gäste oder als Ausstellungsstück für Messen gedacht?
Ich weiss es leider nicht.

Die Herkunft des Laufs kann ich nicht wirklich einschätzen.
Vielleicht auf Vorkriegsmaschinen in der Sowjetunion gefertigt?
Oder Restbestände aus Krupp-Produktion, die bis in die 50er aufgehoben wurden? Vielleicht auch, was kaum vorstellbar ist, moderne Läufe aus dem Westdeutschland der 50er? Vielleicht schick gelabelte Läufe aus der DDR oder Schweden, die hochwertig und ein wenig nach Krupp aussehen sollten (die serifenlose Schrifttype des "SPEZIALGEWEHRLAUFSTAHL" sieht demjenigen, den ich von Krupp-Läufen kenne, jedenfalls täuschend ähnlich)?

Jedenfalls eine interessante Zusammenstellung.

Und was das Kaliber betrifft: wenn man beim Verschießen von .22 lfB ganz sicher sein will, kann man das Gewehr nochmal beschießen lassen. Das würde ich aber an verdeckter Stelle einschlagen lassen - aber wer weiss, vielleicht ist das ja schon passiert, und da findet sich dann auch die Monats+Jahreszahl, zu der das bereits in der DDR passiert ist ;-)

Da das KKV und das K110 für .22lfB ausgelegt und so jahrzehntelang geschossen wurden, muss man sich aber keine Sorgen machen, dass man sich in riesige Gefahr begeben hatte, als man das sehr ähnliche Mod.91 möglicherweise irrtümlicherweise mit zu starker Munition getestet hat (nebenbei, der Beschuss erfolgte typischerweise sowieso mit verstärkter Ladung).
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